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Dewey

Dewey`s Lebengeschichte

Am 20.10.1859 wurde John Dewey in Burlington geboren. Er besuchte eine Schule in seinem Heimatstaat Vermont. Bereits hier stellte er fest, daß Schule einen vom Leben abgegrenzten Bereich darstellt. Sie wird beherrscht von Schulbüchern, deren Inhalt ihr Bild und ihren Wert bestimmt, aus denen aufgegeben und abgehört wurde, deren Lehrer kaum mehr wußten.
Dewey begann sein Studium in Burlington und wechselte 1884 nach Baltimore und wurde hier erstmalig mit Hegel's Schriften konfrontiert. Hier begann er Dualismen zu einer Einheit zusammenzuführen. Diese praktizierte er, indem er nebenher als Lehrer an einer High-School arbeitete: "Schule war hier nicht Teil jugendlichen Lebens, sondern bereitete ausschließlich auf das Leben der Erwachsenen vor. Schule und Lernen muß Leben sein. Schule muß Stück des sozialen Gemeinschaftslebens sein."
An der Universität Chicago setzte Dewey diese Einsicht in die Wirklichkeit um. 1894 wurde Dewey Professor der Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Columbia University, Chicago. Er übernahm die pädagogische Leitung einer "Elementary school" (Grundschule). Darum herum entstand die pädagogische Fakultät der Universität in Chicago (school of education).
Durch Dewey's Wirken wurde "die Soziologie der Bildung" ein eigenständiges Fachgebiet der Lehre und Forschung und erscheint in Weiterbildungsplänen der Lehrer. In Deutschland entwickelte sich erst 50 Jahre später ein pädagogisches Forschungsinstitut und Professur.
1904 wird Dewey Professor an der Universität in New York. 1937 leitete er die Untersuchungskommision gegen Trotzki in Mexiko. Am 01.06.1952 verstarb er in New York.

Dewey als Philosoph

Dewey gilt als bedeutendster Vertreter des amerikanischen Pragmatismus. Der Pragmatismus ist die philosophische Lehre, die alles theoretisches Erkennen nur nach praktischen Konsequenzen wertet.

Die Philosophie (Denken, Erfahrung, Erkenntnis) entsteht nach Dewey aus sozialen Konflikten und dient als Instrument zu ihrer Bewältigung. Durch Reflexion, die Suche und die Bereitstellung von Lösungen wirkt sie auf das Leben zurück und ermöglicht Handeln auf einer höheren Entwicklungsstufe. Von diesem sozial-praktischen Ansatz her muß Philosophie eine Neuinterpretation der traditionellen Erkenntnislehre, Ethik und Logik (die zu einer Forschungstheorie ausgebaut wird) leisten, da die überkommenen metaphysischen Begriffe - von einem neu zu definierenden Kausalbegriff abgesehen - nicht mehr verwendbar sind. Die Philosophie soll zum theoretischen Teil einer sozial orientierten Pädagogik werden. Die Neuorientierung der Pädagogik ergibt sich aus der historischen Entwicklung der Naturwissenschaften, der industriellen Revolution und der Demokratisierung. Die Erziehung muß von der Gesellschaft einerseits, andererseits vom Individuum aus bestimmt werden. Eine fortschrittliche Gesellschaft erfordert den Aufbau eines Erziehungssystems, das die unreflektierte Reproduktion des Bestehenden durchbrechen kann und eine Demokratisierung ermöglicht. Das Individuum hat dabei ein Recht auf Selbstverwirklichung. Es gewinnt, mit der Umwelt inneragierend, ständig Erfahrungen und ist auf sie zur Realisierung seiner Fähigkeiten angewiesen. Ziel der Erziehung muß deshalb ein Setzen von Handlungsmöglichkeiten sein, die die Fortführung des Prozesses der Erfahrung und das Werden der Person ermöglichen.
Dewey als Psychologe

Dewey als Psychologe

Der Psychologe Dewey gilt zusammen mit W. James u.a. als einer der Begründer und bedeutendster Vertreter des frühen, gegen den Strukturalismus W. Wundts und G.B. Ticheners gerichtete, darwinistisch orientierten Funktionalismus, dessen wissenschaftliche Grundposition in der Annahme besteht, daß alle Verhaltensformen stets in dem Bezug, in dem sie für die Anpassung des Organismus zur Umwelt stehen, zu sehen und zu untersuchen seien.

Dewey als Pädagoge

Dewey war ein Initiator der Reformpädagogik. Reformpädagogik ist die zusammenfassende Bezeichnung für die verschiedenen Ansätze zu einer spezifisch pädagogisch, auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Jugend ausgelegten (Pädagogik vom Kinde aus) Reform von Erziehung und Unterricht, Erziehungseinrichtungen und Schulen.
Dewey erstellte sein Hauptwerk der amerikanische Reformpädagogik "education and politics" (Erziehung und Politik) 1916. Dewey verfaßte es an der "school of education". Es gilt als Schlüsselwerk der internationalen Reformpädagogik. In Deutschland wurde es 1930 erstmals verlegt, aber erst mit der zweiten Auflage 1949 wurde es bedeutend.

Auszugsweise einige Postulate aus der deutschen Übersetzung:

Progessive education association

Um 1920 gründete Dewey in den Vereinigten Staaten die "progessive education association", die Vereinigung für fortschrittliche Erziehung. In ihr wurden Lehrer und Eltern in die Entwicklung miteinbezogen. Da gerade in kleinen Orten die Einwohner die Schule selbst finanziell stützten, konnten sie Ziel, Gestalt und Arbeit stark mitbestimmen (Dewey, 1993, 9).
1958 (35 Jahre nach der Gründung) löste sich die "progressive education association" formell auf, in dem Bewußtsein ihr Werk getan und ihr Ziel erreicht zu haben (Dewey, 1993, 9)

Erziehung als Lebensnotwendigkeit

Streben nach Selbsterhaltung liegt im Wesen des Lebens selbst. Selbsterhaltung ist nur durch beständige Erneuerung zu sichern. Was Ernährung und Fortpflanzung für das physische Leben ist, ist Erziehung für das soziale Leben. Es gilt anderen seine Erfahrungen mitzuteilen. Dieses hat Auswirkungen auf die Qualität der Erfahrungen. Sie verbessern sich.
"...in dem Maße, wie die menschliche Gesellschaft verwickelter in ihrem Aufbau und reicher in ihren Hilfsquellen werden, wächst das Bedürfnis nach geordneter und absichtlicher Belehrung und ebensolchem Lernen" (Dewey, 1993, 26).

Erziehung als Funktion der Gesellschaft

Die Entwicklung des Einzelnen vollzieht sich durch das Medium Umwelt. Die soziale Umwelt besteht aus allen Betätigungen der Mitmenschen. Sie üben echte Erziehungswirkung aus und zwar in dem Grade, in dem ein Individuum Anteil hat an einer gemeinsamen Betätigung.
Wenn eine Gesellschaft komplizierter wird, ist es notwendig, eine besondere soziale Umwelt zu schaffen, die die Aufgabe der Fürsorge übernimmt.

Erziehung als Führung

Die Handlungen der Menschen sind immer beeinflußt durch die Reize, von denen sie ausgelöst werden. Bei Befehlen, Verboten, Billigungen und Mißbilligungen gehen die Reize von Personen aus. Die grundlegende Beeinflussung erfolgt durch die Natur der Situation, an der der Einzelne teilhat. In sozialen Situation müssen die Jugendlichen ihre Art zu handeln in Beziehung setzen zu dem was andere tun und sie daran anpassen. Dadurch wird ihr Handeln auf ein gemeinsames Ziel gelenkt und ein allen Teilnehmern gemeinsames Verständnis erzielt.
Schulen, die ihre volle Wirkung entfalten sollen, brauchen mehr Gelegenheiten für gemeinschaftliche Betätigung, an denen die Schüler beteiligt sind, damit sie ihre eigenen Kräfte, die benutzten Materialien und ihre Anwendungen im sozialen Sinne verstehen lernen. Bücher und Besprechungen können viel tun, aber man verläßt sich zu sehr auf sie (Dewey, 1993, 64).

Erziehung als Wachstum

Bildsamkeit oder die Fähigkeit, aus der Erfahrung zu lernen bedeutet, die Bildung von Gewohnheiten. Gewohnheiten geben dem Menschen die Herrschaft über die Umwelt, die Fähigkeit diese Umwelt für menschliche Zwecke zu benutzen.
Gewohnheiten einerseits Form der Angepaßtheit, andererseits aktive Fähigkeit das eigene Handeln unter neuen Bedingungen abzuändern und ihnen erneut anzupassen.
Aktive Gewohnheiten schließen in sich das Denken, Erfindung und Initiative in der Anwendung von Fähigkeiten auf neue Aufgaben ein, im Gegensatz zur Routine (Dewey, 1993, 79).

Der demokratische Gedanke in der Erziehung

Platos Erziehungsphilosophie von Dewey zitiert: Eine Gesellschaft ist dauerhaft eingerichtet, wenn jeder für das, wofür er befähigt ist, in der Weise tut, daß er anderen nützt (der dem Ganzen dient, dem er zugehört). Aufgabe der Erziehung ist es, diese Befähigung herauszufinden und sie für soziale Verwertung zu schulen (Dewey, 1993, 123).
Das individualistische Ideal des 18. Jahrh. : Natur - Mannigfaltigkeit der individuellen Begabungen und Notwendigkeit einer freien Entwicklung der Individualität - keine Beschränkungen. Das bedeutet, daß das Individuum das Organ des Fortschritts ist.
Die National- und Sozialpädagogik: Erziehung der Natur zu überlassen hieße Erziehung verneinen. Pestalozzi finanzierte, kam aber zur Erkenntnis, daß Unterstützung durch den Staat notwendig ist.
Die Bildung des Staatsbürgers, nicht des Menschen, wurde das Ziel (Dewey, 1993, 126).

Das Wesen des Lehrstoffes

Der Lehrstoff besteht in erster Linie aus denjenigen Sinngehalten, die dem gegebenen Gemeinschaftsleben Bedeutung verleihen. Da das soziale Leben von heute mit dem von gestern und vorgestern ein zusammenhängendes Ganzes bildet, sind viele von den gegenwärtigen Sinngehalten Beiträge aus vergangener Gemeinschaftserfahrung. Häufig handelt es sich nur um Aneignung und Wiedergabe des Stoffes ohne wirkliche Betätigung. Die unmittelbare Erfahrung muß eingebaut werden (Dewey, 1993, 256).

Spiel und Arbeit im Lehrplan

Fertigkeiten, Kenntnisse über Material, Werkzeuge und Gesetze der Energie werden erworben indem Tätigkeiten um ihrer selbst willen durchgeführt werden.
Der Umstand, daß sie Formen des sozialen Lebens darstellen, gibt den erworbenen Fertigkeiten und Kenntnissen die Eigenschaft, daß sie auf Sachlagen außerhalb der Schule übertragbar sind.
Es ist wichtig, die psychologische Unterscheidung zwischen Spiel und Arbeit nicht mit der wirtschaftlichen zu vermischen.
Das Kennzeichen des Spiels im psychologischen Sinne ist nicht Vergnügen oder Zweckfreiheit. Richtig ist, daß beim Spiel das Ziel als weitere Betätigung in derselben Richtung gedacht wird, ohne daß der Zusammenhang der Handlung durch die hervorgebrachten Erzeugnisse bestimmt wird.
Wenn die Betätigungen verwickelter werden, gewinnen sie vermehrten Sinn, indem einzelnen Ergebnissen, die erzielt werden, größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. So gehen sie allmählich in Arbeit über.
Arbeit und Spiel sind gleich frei und gleichmäßig von innen her motiviert, abgesehen von falschen wirtschaftlichen Zuständen, die die Tendenz haben, das Spiel zu einer müßigen Anregung für die Wohlhabenden, die Arbeit zu widerwärtiger Beschwerlichkeit für die Armen werden zu lassen.
Arbeit im psychologischen Sinne ist nichts weiter als eine Betätigung die Rücksicht auf die Folgen als Teil ihrer selbst einschließt.
Sie wird zu erzwungener Arbeit, wenn diese Folgen außerhalb ihrer selbst liegen als ein Ziel, zu dem die Betätigung lediglich ein Mittel ist.
Arbeit, die von Spielhaltung durchdrungen bleibt, ist Kunst, wenn auch nicht nach der üblichen Bezeichnung so doch ihrem Wesen nach (Dewey, 1993, 273).
Heutige Relevanz der pädagogischen Bewegung Anfang dieses Jahrhunderts

Kleinkindpädagogik und Schulunterricht/ Maria Montessori

Maria Montessori (1870 - 1952) gilt als eine Vertreterin der Reformpädagogik. Heute zeigt sich die Relevanz durch "reine" Montessori-Schulen und Ausbildungsformen zum "Montessori-Lehrer". Montessori sah den Lehrer als Lernhelfer. Der Klassenraum wurde ausgestattet mit pädagogischen Materialien, die alle Sinne der Kinder ansprechen sollten.

Erwachsenenpädagogik/Arbeitsunterricht

"Arbeitsunterricht erkennt man bereits an der Raumgestaltung. Anders als beim Frontalunterricht sitzen die Lerner in kleinen Gruppen. An den Wänden sind oft beachtliche Mengen von Arbeitsmitteln untergebracht. Häufig ist der Unterricht nicht auf einen Raum beschränkt. Der Lehrer ist eigentlich Lernhelfer! Er ist jederzeit ansprechbar, aber nicht direktiv."
"Der Arbeitsunterricht betont Vorstellung von Aktivität und Individualität gegenüber der Passivität und der Standardisierung. Die Unterrichtsform versuchte nicht nur Köpfe, sondern auch Hände, nicht reproduktives, sondern auch produktives Denken zu beanspruchen, um so die Persönlichkeit des Lerners allseitig zu entwickeln (Flechsig, 1996, 27)."

In jüngerer Zeit wurde mit der Leittext-Methode insbesondere in der Berufsbildung eine geeignete Form von Arbeitsunterricht entwickelt. Drei didaktische Prinzipien kristallisieren sich deutlich heraus:

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